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Bei all deinem Tun bleibe bescheiden
Betrachtung zum 22. Sonntag im Jahreskreis (C)

"Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt,  
und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden" (Lk 14,11).
 


Pater Dr. Bernhard Anton Sirch OSB
Bild: Autor
 
Die Bescheidenheit ist das Thema der 1. Lesung und des Evangeliums. "Als Jesus bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, nahm er das zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen. Er sagt zu ihnen: Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus" (Lk 14,7.8). Generell sagt Jesus: "Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden" (Lk 14,11). Jesus rät dem Gastgeber, der seine Freunde, Brüder, Verwandten und reiche Nachbarn eingeladen hatte. "Wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten" (Lk 14, 13.14). Dies ist eine Aufforderung an uns.  
 
Wir sollten vor allem Menschen einladen, die arm sind, die oft nicht das Nötigste zum Essen haben, die uns in unserer "Karriere" nicht weiterbringen. Es gibt genügend Menschen in ihrem Umfeld, die arm sind und oft nicht das Nötigste haben und die ihre Not aus Scham verbergen. Öffnen sie ihre Augen für die Not der Mitmenschen, sei es physische Not oder psychische Not: Menschen die verstoßen, ausgegrenzt sind.  
 
Wenn wir selber solche Menschen nicht einladen können, so können wir eine Spende geben für die Caritas oder Mission, die Menschen in Not mit dem Notwendigsten versehen und weiterhelfen können. Geben wir doch ein Opfer ganz in diesem Sinne Christi: "Es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten" (Lk 14,14).  
 
Unser Blick sollte nicht so sehr nach oben gerichtet sein, wo wir etwas erhaschen können, sondern nach unten, wo wir geben können. Es ist dies eine Einstellung, die unser ganzes Leben prägen soll. Je mehr der Mensch sich diese Einstellung zu Eigen macht, umso glücklicher und ausgeglichener wird er.  
 
Gott selber wird sich der armen Menschen annehmen, wie wir im Antwortpsalm zur ersten Lesung vernehmen: "Ein Vater der Waisen, ein Anwalt der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung. Gott bringt die Verlassenen heim, führt die Gefangenen hinaus in das Glück; ... Gott, in deiner Güte versorgst du den Armen (Ps 68, 7.10.11).  
 
In der zweiten Lesung wird uns dargelegt, wie die Auserwählten - es sind wohl die Armen und die Menschen, die auf die Armen schauen - zu einer festlichen Versammlung eingeladen sind: "Ihr seid vielmehr zum Berg Zion hingetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln, zu einer festlichen Versammlung und zur Gemeinschaft der Erstgeborenen, die im Himmel verzeichnet sind (Hebr 12, 22.23).  
 
"Mein Sohn, bei all deinem Tun bleibe bescheiden...  
Je größer du bist, um so mehr bescheide (Sir 3, 17.18)  
 
Die Grundhaltung der Bescheidenheit, zu der uns Jesus führen will, ist bereits im Alten Testament grundgelegt. "Mein Sohn, bei all deinem Tun bleibe bescheiden" (Sir 3,17). Zunächst gibt der Weisheitslehrer einen recht innerweltlichen Vorteil an: "und du wirst mehr geliebt werden als einer, der Gaben verteilt" (Sir 3,17).  
 
Der Weisheitslehrer weist gerade bei der Bescheidenheit auf Gott hin: "Je größer du bist, um so mehr bescheide dich, dann wirst du Gnade finden bei Gott. Denn groß ist die Macht Gottes, und von den Demütigen wird er verherrlicht" (Sir 3, 18.19). Der Mensch ist der Beschenkte von Gott. Seine Gaben, seine Begabung sind im letzten Gnade Gottes. Je demütiger ein Mensch ist, umso mehr kann Gott in ihm wirken.  
 
Es ist sicherlich lästig, wenn sich Menschen selber hervorheben müssen. Vielleicht werden diese Menschen zu wenig gelobt und brauchen dies. Ein „stolzer“ Mensch schadet nur sich selber. Schlimmer sind die Menschen, die andere heruntersetzen, um selber besser dazustehen. Viele Menschen sind nur Negativ-Analysten und wollen nur das Negative sehen, weil sie selber innerlich hohl sind und aus Neid das Gute nicht sehen wollen! Reife Menschen sehen das Gute im anderen Menschen, auch wenn nach außen hin nur Schlechtes zu Tage tritt. Wenn wir wirklich kritisieren müssen, dann muß unsere Kritik sehr vorsichtig sein. Es ist ein Zeichen von menschlicher Reife, andere nicht zu kritisieren. Je nachdem ob jemand von einem Glas sagt, "es ist (noch) halb voll" oder "es ist (bereits) halb leer" kann man viel über den Charakter des betreffenden Menschen sagen.  
 
Besonders im Eheleben sollen die Eheleute, wenn Schwierigkeiten kommen, sich an ihre Anfangszeit erinnern, wo sie alles am und im Anderen wunderbar fanden und die Schwächen des Anderen nur im Hintergrund sahen. Die frisch Verliebten können uns ein Vorbild sein. Es ist eine Freude, die frisch Verliebten zu sehen und welches Glück sie ausstrahlen. Bei Negativ-Analysten, oder wenn bei Eheleuten die Liebe erkaltet, bzw. nicht mehr vorhanden ist, treten die guten Seiten eines Menschen in den Hintergrund und die Schwächen in den Vordergrund. Erzieher oder Vorgesetze sollten ein Urteil über einen anderen Menschen unterlassen, wenn die Liebe fehlt und Neid oder Hass triumphiert!  
 
Herr, du bist gütig und bereit, zu verzeihen (Ps 86,5)  
 
Eine chassidische Erzählung möchte uns eine Lehre erteilen: Rabbi Naftali bat einen Gefährten, er möge erkunden, was ihr Lehrer von ihm halte. Ein halbes Jahr mühte der sich, den Zaddik auszuforschen, vernahm aber kein Wort von ihm über Naftali, kein gutes und kein schlimmes. Das berichtete er dem Freund und sagte: „Sieh, der Meister hat eine Goldwaage im Mund. Er sagt über keinen ein urteilendes Wort, dass er ihm nicht etwa damit unrecht täte. Hat er uns doch verboten, selbst über die zu urteilen, die als böse von Grund aus gelten. Denn wer sie kränke, kränke Gott selber!" Wie hart urteilen oft Erzieher und Vorgesetzte über die ihnen Anvertrauten und haben eine Freude, ihre Meinung weiterzutragen!  
 
Im Gegensatz zum Demütigen steht der Übermütige: "Für die Wunde des Übermütigen gibt es keine Heilung, denn ein giftiges Kraut hat in ihm seine Wurzeln" (Sir 3, 28). Man kann diese Haltung vergleichen mit einem Krebsgeschwür, das den Menschen von innen heraus zugrunde richtet. Die Heilung kann nur vom Herzen kommen: "Ein weises Herz, versteht die Sinnsprüche der Weisen, ein Ohr, das auf die Weisheit hört, macht Freude (Sir 3,29).  
 
So betet die Kirche im Tagesgebet und auch wir sollen mit ganzem Herzen mit der Kirche beten "Allmächtiger Gott, von dir kommt alles Gute... Pflanze in unser Herz die Liebe zu deinem Namen ein. Binde uns immer mehr an Dich, damit in uns wächst, was gut und heilig ist. Wache über uns und erhalte, was du gewirkt hast". Es wäre schön, wenn wir uns den Eröffnungsvers als immerwährendes Gebet oder wenigstens für einen Tag aneignen könnten. In diesem Gebet kommt die Demut und Bescheidenheit des Beters zum Ausdruck: "Sei mir gnädig, o Herr. Den ganzen Tag rufe ich zu dir Herr, du bist gütig und bereit, zu verzeihen; für alle, die zu dir rufen, reich an Gnade." (Ps 86, 3.5).  
 
Dr. P. Bernhard Sirch  
Katholisches Pfarramt, Propstei - Schlößl, Hauptstraße 4, D - 92278 Illschwang. Tel. 09666/951272.
Autor: P. Sirch
Veröffentlicht am: 28.08.2010
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